Es muss ja sehr schlecht um mich und meine Kreativität stehen, wenn ich schon meinen uralten (ersten) Blog durchforste, was ich alles in meiner Jugend getan habe – Onlinetagebücher… mein richtiges Tagebuch hab ich ja vernichtet und in die weiten der Müllentsorgung entlassen.
So wurde ich in diesem alten Blog an einige Episoden erinnert, wie ich zu unserem damaligen Internetanbieter in Stuttgart geschickt wurde. Unsere DSL-Anlage ging kaputt, unser T-Punkt hatte in der Stadt schon längst dicht gemacht (und ist einem Kleidungsladen gewichen – lustigweise ist der T-Punkt dort jetzt wiederholt Inhaber) und so musste ich in Stuttgart zu einem der vielen T-Punkte (den gibt’s übrigens auch nicht mehr) im Auftrag der Familie tuckern.
Damals war ich in einem Berufskolleg Schülerin, musste also von zu Hause die kaputte DSL-Anlage bis nach Stuttgart zur Schule schleppen und von dort zum genannten Laden.
Das war noch nicht mal das Schlimmste, aber die damaligen DSL-Anlagen, oder zumindest unsere, waren so groß, dass ich mir oft gewünscht hätte einen Schubkarren zu haben. In der Tasche schlug mir das verdammte Ding die ganze Zeit, je nach Armwinkel, entweder auf den Po, Oberschenkel oder richtig schön in die Kniekehle. An dem Tag hätte mir so keiner dumm kommen können, ich hätte ihm locker mit der Anlage eins drüberhauen können und die Sache wäre erledigt gewesen.
Ich glaube, meine Mitschüler hatten nicht so wirklich eine Ahnung, was das ist, es interessierte sie genauso wenig und ich glaube arg viel war an dem Tag eh nicht los. Trostloser Frühsommer eben – es hatte zumindestens geregnet wie aus Eimern und war dadurch sehr schwül.
Doch das eigentliche Ereignis fand im T-Punkt statt.
Dort verschwitzt angekommen wuselte es richtig. Ich als “Kleinstadtkind” und nicht “Grossstadtkind” war das noch gar nicht richtig gewohnt und fühlte mich erst mal überfordert.
Ok, was mach ich jetzt. DSL-Anlage in die Menge schmeißen und schreien “Es tickt”?
Ich versuchte also irgendwie einen Service-Mann zu finden, der mir helfen konnte und stellte mich an dem Service an. Es dauerte nicht wirklich lange und ich war dran.
Dann ging die Party los.
Ich: Ja, also die Sache ist die: Unsre DSL-Anlage is kaputt und ich wollte mich mal bei Ihnen erkundigen, was denn eine neue so kostet oder was man sonst machen könnte…
Verkäufer: Wie alt ist denn ihre Anlage?
Ich: Keine Ahnung.
Verkäufer: Älter als 2 Jahre?
Ich: ähm… weiß nich
Verkäufer: Naja, wenn die Anlage zwei Jahre alt wäre, hätten sie ein Ersatz bekommen
Ich: Ich hab die kaputte dabei…
Kaum angekündigt, erhob ich die Tasche und lüftete sie nur kurz…
Verkäufer: OOOOOOH ICH SEHE SCHON!!!
Die Reaktion von ihm war mir unangenehm und ich packte das Teil einfach wieder weg
Verkäufer: Die Anlage ist MINDESTENS 4 Jahre alt
Ich: Wie gesagt, ich hab keine Ahnung…
Verkäufer: Ja, also is die einfach kaputt, oder Blitzschaden
Ich: Ich glaube, einfach nur kaputt (Woher um alles in der Welt, sollte ich wissen WARUM das Teil nicht mehr geht? Bin ich Elektropsychologe?)
Verkäufer: Naja, also eine neue kostet 89.95€
Ich: *guckt den Verkäufer mit großen unglaubwürdigguckenden Augen an* Was?!?
Verkäufer: Ja!
Ich: Also…
Verkäufer: Wollen Sie es sofort kaufen?
Ich: Also das müssen wir uns noch überlegen ob wir soviel ausgeben. (HAST DU DEN ARSCH AUF JUNGE?!?)
Ich hatte die leise Befürchtung er würde mich noch fragen, ob er es gleich einpacken solle, oder ob ich’s noch testen möchte… Doch er entließ mich mit einem teils enttäuschten Lächeln und einem trostlosen Gesichtsausdruck, dass mir mitteilte, ihm seien 89.95€ durch die Lappen gegangen.
Gefrustet schleppte ich die Anlage mit gleichem Ergebnis wie oben bei der Anlieferung mit nach Hause, lieferte sie dort ab und erzählte meine Geschichte. “Na, dein Bruder organisiert schon eine, spätestens morgen haben wir wieder Internet”, wurde mir dort zäh mitgeteilt, was eigentlich in Ordnung war.
Für meinen Bruder schien das aber irgendwie befremdlich zu sein, ein Tag ohne Internet auszukommen – keine Clan-Matches mit CounterStrike, kein Nichts. Zumindestens äußerte er leicht hysterisch “UND WAS MACH ICH HEUTE ABEND?!?!?”
Trocken entgegnete ich nur, das, was er mir knapp ein Jahr zuvor an den Kopf warf, als es darum ging, ich würde zu oft vorm PC lungern. “Wie wär’s mit lesen?”
Erstaunlicherweise fügte er sich damals meinem Rat und las tatsächlich. Kann mich aber leider nicht mehr erinnern, ob er Herr der Ringe las oder die Fernseherzeitung.




