Archiv für Februar 2010

Festplattenlieb

Da ich gerade so nicht wirklich zum Schreiben kommen und ich lieber abwarten wollte bis mir was gutes einfällt, hat mir der F., der meine Suchanfrage hier in Abständen mit kuriosen Suchanfragen behelligt (die letzte war: “du bist scheiße”), mit einer Frage gedient, die ich hier doch stelle solle, damit er selbst wieder ein Problem weniger hätte.
(Beim nächsten mal benutzt du google :P )

Folgendes Problem:
Er hat eine Festplatte. Diese Festplatte scheint kaputt zu sein / war kaputt / wollte nichts mehr mit ihm zu tun haben.
Darauf befinden sich Bilder (welche Bilder weiß ich nicht, ich sollte es dramatisch umschreiben… also Bilder, die ihn mit seiner einzigen Mutter zeigen und Fotos von seinem verstorbenen Meerschweinchen) im JPG-Format.
Möchte er diese öffnen erscheint eine doofe Fehlermeldung die besagt “JPG-Marker konnte nicht erkannt werden” oder “Falscher JPG Marker” – irgendwie sowas, konnte es mir nicht mehr richtig merken.

So lieber Leser. Da ich weiß, dass sich unter euch doch Fachgenies befinden, die dieses Problem sicherlich lösen können: Was ist bei ihm falsch gelaufen? Kann er sich von seinen Bildern verabschieden? Wird er die Form seines Meerschweinchens nie wieder auf digitalen Bildern sehen können? Und ist die bildbearbeitete Fotostrecke von Deutschlands schönsten Straßenschildern nun auf ewig verloren?

Ihr könnt mir deswegen, wenn ihr nicht unbedingt in den Kommentaren antworten wollt, auch eine E-Mail schreiben, die ich dann an den Hilfesuchenden weiterleite.

Weil hier jemand nach der Antwort sucht…

… hier wirst Du sie nicht finden! ;)

Aber es ist noch n bissl was zu tun (und ich krieg grad immer den späteren Zug – bei Kopfschmerzen eher kontraproduktiv)

Deswegen heute auch wieder ein Video – und für mich… äh… arbeit… :(


(Total sinnbefreit, aber ich muss bei dem immer so lachen…)

Für die gute Laune

Temperaturtechnisch war es heute deutlich wärmer als die Tage und Wochen zuvor, was wohl den Frühling einläuten soll – auch haben alte Menschen bemerkt, dass sie gestern die ersten Schneeglöckchen gesehen hätten, was wohl ein sehr deutliches Zeichen dafür sein soll, dass es bald soweit sei.

Was zum Lachen brauche ich trotzdem, was liegt da also näher die alten YouTube Videos, die ich deswegen im Hinterkopf gespeichert habe durchzuklicken. Bisher haben diese zumindestens ihren guten Dienst getan.
Ich möchte heute meine Lachfavoriten teilen, auch wenn’s teilweise nicht sooooo lustig für andere ist…

Darf ich leider nich einbetten :(

Eine “gute Nacht”-Geschichte

“Hm…”, brummte ich leise und warf einen bedächtigen Blick auf das Fieberthermometer, das ich soeben aus Kays Mund entfernt hatte.
“Wie schlimm ist es?”, bibberte diese und blickte mich aus sorgenvollen Augen an.
Skeptisch blickte ich zurück und schüttelte das Gerät. “Sieht aus als hättest du kräftig…”
“Schweinegrippe? Masern? Pocken? Was? WAAS?!?!” Kay wirkte leicht hysterisch – und verrückt.
Ich seufzte leicht genervt und beendete meinen Satz. “Liebeskummer.”
Verstört blickte Kay von links nach rechts und umgekehrt, bevor sie wieder mich anblickte.
“Wie? Woher weißt du…”
“Du bist nicht wirklich gut darin es zu verbergen. Und wenn Jonas sich schon nicht mehr meldet und du ihn am Telefon einen, ich zitiere, “behaarten Hurenbock” nennst, kann ich’s mir schon denken, was los ist.”
“Och menno…”, seufzte Kay erschlagen und schlürfte frustriert in ihr Zimmer, wohin ich ihr auch folgte.
“Tee, Kaffee, Kekse, Kuchen?”, fragte ich im besänftigten Ton.
Kay stöhnte, als sie sich ins Bett fallen ließ. “Einen Baum mit Strick wäre mir gerade lieber.”
“Tut mir leid, das ist ausverkauft”, entgegnete ich trocken und setzte mich an Kays Bett.
Nachdenklich blickte ich das kleine Häufchen elend an.
“Ok”, begann ich, “ich erzähl dir eine Geschichte.”
Kay blickte mich verwirrt an. “Eine was?”
“Du hast schon richtig gehört”, antwortete ich nickend und macht es mir bequem.

Es war einmal vor vielen Jahrhunderten in einem Königreich, dass sich “Das Königreich der Tausend Wunden” nannte.
Eigentlich sollte es “Das Königreich der Tausend Wunder” heißen, doch der damalige Mann beim Namenspatent hatte sich verschrieben und so konnte dieser Fehler nicht mehr Rückgängig gemacht werden.
Und so sinnierte der Sultan des Schlosses darüber, was die Bestimmung des Königreiches werden könnte. Menschen leid zuzufügen war seitdem er einen Flaschengeist besaß und schon weit davor nicht sein Ding.
“Genie, was soll ich tun?”, fragte der Sultan laut in sein Gemach.
Der Genie, gerade dabei ein Brathähnchen zu verputzen, rülpste erschrocken und blickte den Sultan konfus an.
“Also… wie wär’s mir Sado Maso Schuppen? Mit knallharten Dominas und…”
“Nein, kein Schmerz… keine Erniedrigung!”, unterbrach der Sultan kopfschüttelnd und schlug die Hände frustriert vor seine Fassade.
So berief er, nach langer Überlegung, einen nationalen Wettbewerb.
“Wir machen unser Königreich schöner!”, trug diese ausgeklügelte Aktion als Titel und sollte viele kreative Landsleute dazu aufrufen ihr Können für “Das Königreich der Wunden” unter Beweis zu stellen.
Als Preis winkte ein neues Kamel, mit allem Komfort und Komzurück und sogar einem eigenen Auspuff, mit extra wenig Verbrauch auf 100km.
Ein Traum.
Das ganze Königreich war in heller Aufregung und plante, Arbeitsgruppen bildeten sich, ja sogar die Diebe hatten gefallen an dieser Aktion gefunden und überlegten, dass es täglich “Deins ist meins” gespielt werden sollte.
Schneller als man es sich hätte vorstellen konnte, rückte auch der Tag der Präsentationen vor. Nervosität legte sich über die Stadt.
Sogar der Sultan selbst knetete unruhig die Hände und musste sich sehr oft von seinen Konkubinen nervlich runterbringen lassen.
Leider wurde er, als er gerade beim beruhigenden Part war, von einem seiner Bediensteten unterbrochen.
“Sultan?”
“IEK!!!”
Der Bedienstete lief rot an. “Die Kreativen sind da…”
Räuspernd und etwas beschämt, begab sich der Sultan anziehend in seinen Empfangssaal, wo bereits tausende von Menschen auf ihn warteten.
Gemächlich setzte der Sultan sich auf seinen Thron und ließ seinen Blick über seine Königreichsbewohner schweifen. Allerdings stellte er beschämt fest, dass er keinen davon kannte.
“Nun, ich heiße euch herzlich willkommen im Palast!”, verkündete der Sultan strotzend und deutete weit um sich.
“Wer möchte beginnen?”
Niemand der Menschen drängte sich vor, doch da irgendeiner schließlich den Anfang wagen musste, stellte sich eine etwas molligere Dame in die Mitte, die als Präsentationsfläche dienen sollte.
Sie räusperte sich und verbeugte sich schließlich.
“Also! ICH hatte ja die Idee, wir bringen überall in der Stadt rote Pflänzchen an. Fleischfressende Pflanzen und so schöne Dinger. Auf jeden Fall welche die innendrin rot sind und die das mit den Wunden wunderbar verkörpern. Also Pflanzen, die man zur Not auch als Waffe einsetzen kann!”
Der Sultan blickte zu einem seiner Bediensteten, mit dem er irritierte Blicke wechselte. “Pflanzen, die man als Waffe einsetzen kann?”, fragte der Sultan schließlich skeptisch. “Wieso denn das?”
Die Frau zuckte die Schultern. “Man kann auch Lianen als Galgen nehmen.”
“Der Nächste, bitte”, seufzte der Sultan und bedeutete der Frau mit einer Handbewegung, sie möge ihren Platz frei machen.
Eine Gruppe von fünf beinah verschleierten Frauen hüpften förmlich in die Mitte und kicherten aufgeregt.
Eine von ihnen hielt eine Tafel hoch, auf der irgendwelche Männchen gezeichnet waren. Mit beinah zugekniffenen Augen versuchte der Sultan zu erkennen, was darauf abgebildet war, konnte sich aber keinen Reim auf alles machen.
Deshalb äußerte er nur ein irritiertes “Was soll das denn darstellen?”
Die Frauen kicherten wieder. Eine von ihnen begann mit ihrer süßlichen Stimme zu erklären. “Das Königreich der Wunden soll in Zukunft ein Pilgerort für diejenigen werden, die nicht bei Takeshis Castle vordringen konnten.”
“Bitte?”
“Männer und Frauen, die versucht haben in Takeshis Schloss in Japan zu gelangen, weil sie davor verloren haben.”
“Was verloren?” Der Sultan sah sich ratlos in seinem Thron hängen und blickte augenreibend auf die Zeichnung.
Die Frauen, denen klar war, wer und was Takeshis Castle war, konnten mit der Unwissenheit des Sultans nicht richtig umgehen. Leicht resigniert ließen sie ihre Zeichnung sinken.
“Naja, die wollten ins Schloss und hätten Geld bekommen und mussten Prüfungen bestehen…”
Seufzend richtete sich der Sultan auf und schüttelte den Kopf. “Die Nächsten bitte.”

Nach einigen Kandidaten, die das Reich als komplette Lachnummer verkaufen wollten, wie beispielsweise als die größte Hüpfburg mit Stacheldraht an den Seiten, damit das Wort “Wunden” wieder seine Bestimmung hatte, kam eine beinah verschleierte Frau auf die Präsentationsfläche.
Interessiert wurde sie gemustert, und jeder fragte sich, warum sie, bis auf die Augen verhüllt sei.
“Nun, meine Dame?”, lächelte der Sultan, der die Frau interessiert musterte und gespannt zu sein schien, was sie für einen Vorschlag hätte.
Die junge Frau blickte um sich und schloss schließlich ihre Augen, als würde sie die Nervosität die sie überkam abschütteln wollen.
Der Sultan begann unruhig zu werden, doch bevor er sein Wort erheben konnte, fing sie sich an langsam zu entkleiden, bis sie nur noch in knapper Unterwäsche vor der Menge stand. Mit großen Augen wurde diese Frau gemustert, aber nicht, weil sie kaum noch etwas anhatte, sondern die Haut die sich ihnen präsentierte komplett überzogen war mit Narben.
“Jeder Mensch hat eine Geschichte,” begann diese Frau zu erzählen, “jeder von uns musste durch Kummer und Leid gehen und musste manchmal mit Schmerzen die Wahrheit erfahren und tragen. Vielleicht verstehen wir auch erst durch diese unser Leben zu verstehen. Meine Geschichte ist, dass ich meinen Geliebten dort draußen in der Wüste verlor. Wir wurden von einer Gruppe flüchtiger Häftlinge aufgegriffen. Während diese mich festhielten, wurde mein Geliebter beinahe von scharfen Messern filetiert. Natürlich konnte ich das nicht ansehen und ich konnte mich von den Häftlingen befreien. Während mein Geliebter floh, wurde ich von den Häftlingen verritzt… Wie man sehen kann, sind diese Narben noch immer da. Was aus meinem Geliebten geworden ist, weiß ich nicht, doch er ist irgendwo da draußen, die Narben erinnern mich an ihn und daran, dass er mich im Stich gelassen hat.”

Ich stockte kurz, Kay blickte mich aus großen Augen hat. Inzwischen hatte sie sich mit der Bettdecke bis zur Nase zugedeckt.
“Und weiter?”, nuschelte sie aus der Bettdecke bedächtig hervor.
Ich versuchte leicht zu lächeln, weil meine Geschichte mich wieder an etwas erinnerte. “Die Stadt wurde zum größten Wundenklagenort berufen und von nun an geht jeder dorthin um sein gebrochenes Herz zu kurieren. Manchmal tut’s aber auch eine Packung Kekse, viel Schlaf und viele Tränen.”
Kays Blick verzog ihre Mimik zu einer undeutsame Grimasse, die mir wohl mitteilte, dass der Schluss ihr nicht wirklich zusagte.
“Gute Nacht”, lächelte ich Kay zu, stand auf und ging aus ihrem Zimmer, nur um mich keine Minute später mit meinem Handy auf dem Balkon zu finden.

Etwas bedrückt starrte ich auf die Nummer von Alex, die ich noch immer im Speicher hatte. Ohne ein 100. Mal darüber nachzudenken drückte ich auf die grüne Taste und baute eine Verbindung zu seinem Handy auf.
Das Freizeichen tönte in meinem Ohr und ich atmete tief. Irgendwann knackte es. “Hallo?”, meldete sich Alex. Ich schluckte leise um nicht sofort am Telefon anfangen zu müssen zu heulen.
“Anja?”, fragte Alex, “Bist du’s?”
Ein weiteres Mal atmete ich tief ein. “Ja, bin ich, hi! Stör ich gerade?”
“Nun ja, Leonie und ich wollten gerade ins Restaurant, was…”
“Oh, dann… ist schon in Ordnung! Viel Spaß euch beiden!” Ohne auf eine weitere Antwort zu warten legte ich auf.
Ich lehnte mich an die Hauswand und ließ mich langsam auf den Boden sinken.
In diesem Moment begriff ich wieder, dass das Leben einfach nie perfekt sein wird…

Was gelesen wird

In meinem OneNote befindet sich eine Liste über Literatur, die ich lesen möchte, bis heute aber nicht dazu kam. Ja, ich hab ja auch noch genug zu lesen, was alles ein wenig schleppend ausgelesen wird. Nicht umsonst hab ich für mich persönlich das Jahr 2010 als Jahr der “Putzaktion” betitelt. Das heißt nichts anderes, als etwas auf Sparflamme zu gehen und bei Büchern eins nach dem andren zu lesen bzw. alle, die angefangen wurden erst mal aus. Und die Kunst: Keine neuen zu kaufen!
Kaufen heißt aber nicht, dass ich keine lese, denn Stuttgart (und jede andre Stadt) bietet eine Bücherei, in der man Bücher (derzeit hier 13€ im Jahr) ausleihen kann. Deswegen, und weil ich auch meine Regale etwas schonen möchte, bin ich auch regelmäßiger Gast in der Bücherei, was schon die ein oder andre Skurrilität und Studenten zutage förderten, die auf Büchern eingepennt sind…

Weil ich aber keine Lust habe ständig online nachzusehen ob “mein” Buch verfügbar ist, bestelle ich vor.

Meine Liste ist in der Bücherei nicht lange, aber man soll’s ja auch nicht übertreiben. Heute also wieder eine kleine Liste an erfreulicher Literatur, für den Alltag. Vergisst aber nicht, dass ich die Bücher bisher NICHT gelesen habe…

Sophie Kinsella, Charleston Girl

Sophie Kinsella hat sich mit spritziger, origineller Unterhaltungsliteratur einen Namen gemacht. Ihr neuester Roman ist ein Musterbeispiel einer romantischen Komödie, deren herzerwärmende Frische einen auf der ersten Seite gefangen nimmt und bis zur letzten Seite nicht mehr loslässt. Im Mittelpunkt steht die junge Londonerin Lara Lington, die gerade, um es vorsichtig zu formulieren, eine schlechte Phase durchmacht: Ihr Freund hat sie vor kurzem verlassen, und im Job läuft es auch alles andere als rund. Während Lara noch darüber sinniert, wie sie ihr Leben wieder auf die Reihe bringen kann, kommt der Impuls dazu von der denkbar unwahrscheinlichsten Seite: Auf der Beerdigung ihrer Großtante Sadie, die im gesegneten Alter von 105 in einem Altersheim gestorben ist, erscheint Lara ebendiese Sadie als Geist – jedoch nicht als greiser Pflegefall, sondern als 23-jähriges Mädchen…

Aus dieser Konstellation schlägt Kinsella die vergnüglichsten, anregendsten Funken: Denn Sadie, die ganz dem Geist der Zwanzigerjahre verhaftet ist, am liebsten Federboas trägt und unwiderstehlich Charleston tanzt, nimmt mit rotzfrecher Dreistigkeit direkt das Zepter in die Hand. Sie kann und will nicht glauben, dass sie schon tot ist, und ist empört, dass sie ohne ihre heißgeliebte Libellenkette ins Jenseits abtreten soll, die ihr 1927 abhanden gekommen ist – da spielt sie nicht mit. Also soll ihre Großnichte ihr helfen, die Kette wiederzufinden – und die nach dem ersten Schreck halb amüsierte, bald aber auch schon ordentlich genervte Lara macht sich gehorsam auf die Suche. Als sich Sadie dann aber auch noch in einen jungen Mann verliebt (weil er sie an Rudolph Valentino erinnert…) und sie Lara ein Date mit ihm aufnötigt, weil sie selbst ja schließlich nicht flirten kann, geraten die Dinge vollends außer Kontrolle.

Manfred Lütz, Irre – Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen – Eine heitere Seelenkunde

Hitlers Taten waren abscheulich. Doch der Diktator war nicht psychisch krank, sondern normal. Statistisch gesehen verüben psychisch Kranke sogar weniger Straftaten als Normale, weiß Psychiater Manfred Lütz aus dem Klinikalltag zu berichten. In seinem Streifzug durch die Spielarten der menschlichen Psyche versucht der Autor, das Wesentliche von Psychiatrie und Psychotherapie darzustellen. Prima, wenn endlich jemand anschaulich erklärt, worüber viele sprechen, aber nur wenige wirklich eine Ahnung haben.

Hauptsächlich dreht es sich um psychische Krankheiten und gängige Therapien. Zunächst führt uns Lütz jedoch vor Augen, wie sehr das Verhalten psychisch Gesunder seltsame Blüten treibt. „Normalos“, die in stumpfer und spießiger Atmosphäre vor sich hindümpeln, bekommen genau so ihr Fett ab wie diejenigen, die Blödsinn professionell erzeugen. Dazu zählt Lütz die Ergüsse von Dieter Bohlen, Paris Hilton oder wilde esoterische Pendeleien.

Zugegeben, das Inhaltsverzeichnis sieht arg nach Seminararbeit aus. Die Stärke des Buches macht aus, dass Lütz viele plastische Beispiele anbietet, um nackte Theorie mit Leben zu füllen. So verstehen Laien besser, was zum Beispiel Depressive von Manikern unterscheidet. Und wenn wir erfahren, wie eine Patientin einmal die Bundeswehr aufmischte, öffnet sich die Pforte zum Reich der netten Anekdote.

Bei der neuen „Volkskrankheit“ Alzheimer konstatiert Lütz: „Wie eine Gesellschaft mit ihren Demenzkranken umgeht, das ist die Nagelprobe für ihre Menschlichkeit.“ Ergo ist die von Lütz angekündigte „heitere Seelekunde“ so lustig nun auch wieder nicht. Tatsächlich fehlt es Lütz nicht am nötigen Ernst, wenn etwa dargelegt wird, wie wenig Wahlfreiheit Süchtige haben, was im Wahnsystem schizophrener Patienten passiert oder wann Psychopharmaka eine befreiende Wirkung entfalten.

Dass wir die Falschen behandeln, wie der Untertitel des Buches reißerisch ankündigt, erweist sich als zu viel des Guten. Auf alle Fälle gilt: „Das mutwillige oder zynische Suchen nach Defiziten bei gesunden Menschen ist menschenunwürdig“, wie der Psychiater und Arzt vor Risiken und Nebenwirkungen der Lektüre warnt. Und während die einen die bisweilen betont locker-flockige Art des Autors weniger mögen, sehen andere darin eine souveräne Haltung voll heiterer Demut. Unter dem Strich lautet deshalb die Diagnose des Kritikers: Prädikat wahnsinnig lesenswert!
Herwig Slezak

David Foster Wallace, Unendlicher Spaß

Vor einem Jahr nahm sich David Foster Wallace, einer der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Literatur, das Leben. Sechs Jahre lang hat Ulrich Blumenbach an der Übersetzung von Wallaces Opus magnum gearbeitet, dem größten Übersetzungsprojekt in der Geschichte des Verlags. Unendlicher Spaß – so nannte James Incandenza seinen Film, der Menschen, die ihn anschauen, so verhext, dass sie sich nicht mehr von ihm lösen können und dabei verdursten und verhungern. Sein Sohn Hal, ein Tenniswunderkind mit außergewöhnlichen intellektuellen Fähigkeiten, studiert an der Enfield Tennis Academy (ETA), die von seinem Vater gegründet wurde. Hier sowie im nahe gelegenen Ennet-House, einem Entziehungsheim für Drogenabhängige, spielt ein Teil der überbordenden Handlung, die jeden literarischen Kosmos sprengt – in einem leicht in die Zukunft versetzten Amerika, das mit Kanada und Mexiko die Organisation der nordamerikanischen Nationen bildet und von radikalen Separatisten in Kanada bekämpft wird. 1996 erschien Infinite Jest in den USA und machte David Foster Wallace über Nacht zum Superstar der Literaturszene. Nicht allein der schiere Umfang, sondern vor allem die sprachliche Kreativität, die ungeheure Themenvielfalt, die treffsichere Gesellschaftskritik, scharfe Analyse sowie der Humor machen den Roman zum Meilenstein der amerikanischen Literatur. Namhafte Autoren von Dave Eggers bis Jonathan Franzen sehen in diesem Buch ein Vorbild für ihr Schaffen. Ulrich Blumenbach hat sechs Jahre lang an der Übersetzung gearbeitet, und seine kongeniale Übertragung ins Deutsche gibt deutschsprachigen Lesern nun endlich die Möglichkeit, das Buch kennenzulernen.

Christopher Moore, Liebe auf den ersten Biss

Junge Liebe, verfluchtes Glück: Tommy Flood liebt seine neue Freundin, aber Jody ist ein Vampir und hat ihn in einen ewigen Gefährten der Nacht verwandelt. Unsterblichkeit ist zwar cool, und der Sex ist auch nicht zu verachten, doch der unstillbare Hunger nach Blut ist Tommy lästig. Und noch ehe er sich an seinen neuen Appetit gewöhnen kann, wird die junge Liebe bereits bedroht. Der mächtige Vampir Elijah trachtet nach Tommys Unsterblichkeit: Er biss einst Jody voller Leidenschaft in den Hals, nun will er sie um jeden Preis zurückerobern … Die Leser: genial. verrückt. überirdisch. zum Totlachen. Amüsant. gute Laune garantiert. Ein Wunder. Selten so gelacht. Superwitzig. herrlich. Abgefahren. grandios.

Elmore Leonard, Callgirls

Die Callgirls Chloe und Kelly verbringen einen Abend bei dem 85-jährigen Anwalt Tony Paradiso – am Ende des Abends liegen Paradiso und ein Mädchen tot im Wohnzimmer. Aber ist die Tote wirklich Kelly, wie Paradisos rechte Hand, der zwielichtige Montez Taylor, Detective Frank Delsea weismachen will? Frank Delsea braucht seine ganze Erfahrung, um die Hintergründe zu durchleuchten – und um der schönen Zeugin zu widerstehen …

Auch lesen will ich “Schnappt Shorty”, “Killshot” und “Jackie Brown”

Jan Josef Liefers, Soundtrack meiner Kindheit

“Ein ganz persönliches Buch über eine Kindheit in der DDR” “Gegen Abend – die Sonne beging mal wieder Republikflucht und haute in den Westen ab – läuteten die Glocken irgendeiner benachbarten Kirche zeitgleich mit meinem ersten Schrei … Samstag, der 8. August 1964 um 18.00 Uhr wurde als amtliche Geburtsstunde in den Klinikpapieren vermerkt.”
Anhand der Musik, die ihn beeindruckt, begleitet und geprägt hat, blickt Jan Josef Liefers auf seine Kindheit und Jugend zurück. Er stellt nicht nur große Rockbands der DDR und ihre Lieder vor, sondern setzt sie zugleich unmittelbar in Beziehung zu wichtigen Ereignissen in seinem Leben und seiner Karriere. So entsteht der sehr persönliche Einblick in den ganz normalen Alltag eines jungen Menschen im Osten, der sich seine eigenen Gedanken machte und versuchte, seinen Weg zu gehen, ohne sich allzu sehr zu verbiegen. Ein authentisches «DDR-Kind», das später in ganz Deutschland bekannt wurde, erzählt sein Stück deutsche Geschichte – ehrlich, charmant, unterhaltsam und frei von jeglicher “Ostalgie”.

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