Es gibt so viele Dinge, die ich schreiben möchte, aber nichts davon würde mich gerade beschreiben, oder das, was ich momentan fühle.
Ich bin das Chaos. Ich bin nicht der Phönix, der aus der Asche steigt, den Menschen, die mich mal können den Mittelfinger zeigt und mit einem überlegenem Lächeln allen den Tod an den Hals wünscht, die nicht in der Lage sind die Nationalhymne in C-Dur zu furzen. Ganz zu schweigen von der Frage, ob man das überhaupt soll.
Ganz im Gegenteil, bin ich wieder (oder immernoch) dieser kleine Haufen Fleisch, der sich selbst gerade am wenigsten leiden kann und jede gemachte Entscheidung 4.000 Mal in Frage stellt, weil man die Unsicherheit des eigenen Individuums tagtäglich morgens mit der Suppenkelle frisst.
So sehr ich Dinge nicht will, umso mehr will ich sie doch. Dieses kleine psychische Spielchen, dass man mit sich selbst spielt und die Gedankenwelt so sehr aufbläht, dass der Nachbar schon Nahe des Auszuges steht. Und dann hasse ich es, wenn man mir meine Unperfektion vor die Füße wirft, mir deswegen Vorwürfe macht, oder sich darüber belustigt, dass ich so bin, wie ich bin.
Ich dachte aus dem Alter, in dem mir das ganze so sehr zu Herzen geht, sei ich raus. Aber es hört nicht auf und die starken Jahre, die ich hatte, wurden mit einem Feuchttuch in den Mülleimer befördert.
Dabei wünsche ich mir so sehr, dass alles in Ordnung ist, dass alles eher kaputt geht. Kaputt daran, dass ich nicht geduldig genug sein kann und die Menschen, die mir jedes Mal mit einem “Die Zeit heilt alle Wunden” entgegentreten eine reinschlagen möchte, dass mir schon passive Aggression vorgeworfen wird.
Oder was für ein beschissener Mensch ich sei, weil ich versuchte etwas zu beenden und am Ende mir nicht mal sicher war, ob es so richtig war. Vor allem ob das, was in der Vergangenheit geschah, seine Richtigkeit hatte. (Von dem, was dann gesagt wurde, ist hier nicht mal die Rede)
Man denkt, man ist ein wenig gesetzter und kann dem ganzen ruhig ins Auge sehen, wird dann aber doch wieder unruhig, weil so viele Ungereimtheiten sich wie ein Mind-Map vor dem inneren Auge aufrufen und man sich selbst permanent fragt, warum man selbst nicht ruhen kann, sich fragt, ob man tatsächlich dieser Scheiß-Mensch ist und das der Grund für all das Vergangene ist. Vermutlich bin ich das.
Ich habe mir nie das Anrecht ausgeschlagen unersetzbar zu sein. Zu merken, dass man tatsächlich schnell ersetzt werden kann schmerzt einfach. Es soll Menschen geben, die kommen damit wunderbar zurecht und können die Phönix-Nummer abziehen, nur ohne aus der Asche zu steigen. Ich gehöre eben nicht dazu und ja, es geht mir deswegen nicht unbedingt besser.
So sehr ich mir wieder meinen eigenen Humor und den Zynismus zurückwünsche, der mir früher den Tag rettete, so sehr ich mir wünschte, wieder Ich selbst zu sein, umso weniger bin und werde ich es. Weil ich verdammtnochmal nicht damit aufhören kann mir vorzustellen, wie es wäre, wenn alles mal so wunderbar laufen würde, wie ich es mir wünsche.
Aber das wird es nie, weil es nie so läuft, wie ich es mir wünsche. Und die ganzen Buch-Psychologie-Kacke, die man dann zum Mittag serviert bekommt, hilft einem gerade mal weiter, um sich selbst einen Instantkaffee, der genauso beliebt ist, wie man selbst, zu erwärmen. Nett anzuhören, aber ohne den eigenen Kopf, der eigenen Geduldsader funktioniert nichts. Aber es sind lediglich wenige Stunden, wenn überhaupt, die einen den Kopf von den schlechten Gedanken befreien, nur um anschließend noch tiefer im “Was-wäre-wenn”-Zirkus im Publikum zu sitzen.
Vielleicht war auch Berlin ein Fehler und ich begreife ihn noch nicht. Vielleicht war es ein Fehler anzunehmen, dass hier alles besser, aber vor allem anders sein würde, ohne zu realisieren, dass das auch wirklich in die Hose gehen kann, wenn man sich selbst über die Motive nicht sicher ist und eines davon bereits am Anfang sich umdrehte und im Begriff war zu gehen. Man krallt sich trotzdem fest und ist auf der akuten Suche nach so vielen Pros, erhält aber mehr Contras. Stichwort “Zeit”.
Ich weiß demnach auch nie, was besser ist. Zurückziehen und die Welt Welt sein lassen, oder weiter zu versuchen mit einem kaputten Holzboot über den Ozean zu schwimmen, dessen Löcher mit Weinkorken notdürftig gestopft werden und regelmäßig mir ins Auge poppen.
Denn ich möchte nicht vergessen werden, habe aber das Gefühl, ich werde es doch. Mein Handeln macht es dabei nicht unbedingt besser… Im Endeffekt bin ich doch der Scheiß-Mensch.